22. April 2014

437. Der Glaube perfekt sein zu müssen.

Sie sagen mir alle, dass ich eine Pause machen soll. Erst einmal wieder richtig zu Kräften kommen... Aber ich kann es nicht. Ich kann mir keine Pause gönnen. Auf der Arbeit muss man mich drei - bis vier Mal anrufen, damit ich endlich zur Pause gehe und dort dann auch bleibe. Ich versuche all das wieder aufzuholen, was ich während der Woche wo ich Zuhause war, versäumt habe. Und ich denke mal, dass die ganzen Medikamente, die ich nehme mir dabei gut helfen. Aber  dennoch gibt es auch dabei wieder Menschen die sich Sorgen um mich machen. So habe ich heute von der lieben Frau vom Psychiatrischen Dienst gehört, dass das auch nicht lange gut gehen wird. Sie betonte dabei wieder und wieder, dass ich ein gesundes Zwischenmaß finden muss. Sonst würde ich in 6 Wochen wieder in der Klinik hocken.
Um ein gesundes Maß zu finden, muss ich wahrscheinlich erst einmal lernen, was das überhaupt bedeutet. 

Ich habe schreckliche Angst, dass ich versage könnte. Dass ich keine gute Tochter (obwohl das bei der Mutter wahrscheinlich auch nicht so schlimm wäre), Nichte und Schwester bin. Ich soll mich um alles kümmern. Den Umzug von meinem Bruder nach Hannover und den dazugehörigen Anträgen. Wenn meine Mutter oder meine Tante anruft, muss ich sofort springen und immer wieder 180 % geben. Wenn es weniger ist, bekomme ich es sofort zu hören. Und dabei glauben sie alle, dass alles bestens ist.
Aus meiner Familie weiß nur mein großer Bruder und die Halbschwester meiner Mutter wirklich Bescheid. Ich meine, dass ich in der Klinik war und das ich mich vor  1 1/2 Wochen zu tief geschnitten habe. Die anderen denken alle, dass ich wegen Kreislaufproblemen im Krankenhaus war. Ehrlichkeit geht bei meiner Familie nicht. Bei der Familie die ich habe, kann ich nicht wirklich sagen, dass es meine Familie ist. Familie werden immer mehr meine Kollegen von der Arbeit. Ich bekomme von ihnen sogar Sachen zum Geburtstag, zu Ostern und zu Weihnachten.. Auf mein ''Warum'', bekam ich die Antwort, dass ich ihr Kind sei. 
Ein komisches und zugleich tolles Gefühl.



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