28. Februar 2014

407.

"Überlegen wir mal. Nachdem ihr entschiedet habt, dass ich depressiv bin oder was auch immer, setzt ihr mich auf Medikamente, nicht wahr? Ich kenne hunderte von Menschen und denen geht es gut. Tatsache. Mit meinen neuen Medikamenten gehe ich dann wieder zur Arbeit. Ich mache allen klar, dass ich wieder die Sabine bin, die ihnen nie Ärger gemacht hat."

Ich finde keinen Ausweg mehr aus meiner jetzigen Situation. Die Hoffnung, die ich noch verspürt hatte, ist verschwunden. Ich weiß einfach nicht mehr. Nichts mehr ist positiv. Sehe nur noch den einen, endgültigen Ausweg.

26. Februar 2014

406. Sie erinnerte mich..

Nachdem mein Geburtstag damit endete, dass ich heulend im Bett lag und einfach nur verschwinden wollte, war ich gestern in meiner alten Schule. Meine alte Klassenlehrerin hatte mir geschrieben, da ich mich lange nicht mehr gemeldet hatte und so beschloss ich, sie einfach zu besuchen. Sie fragt mich, wie es in den letzten Wochen so war, stimmungstechnisch. Ich versuchte so ehrlich wie möglich zu sein, aber konnte es nicht unterlassen mal wieder alles mit einem Lachen zu überspielen.
Als wir so in der Fluren der Schule standen, mitten von Schülern umgeben, sah ich meine voherige Klassenlehrerin. Ich hatte sie das letzte Mal auf meiner Abschlussfeier gesehen und das war im Juni 2012. Danach ging sie in Mutterschutz und dann in Elternzeit. Als ich gerade von meiner anderen Klassenlehrerin verabschieden wollte, kam sie auf mich zu und ich umarmte sie erst einmal. Sie fragte mich, was ich jetzt mache. Sie war überrascht, dass ich ein FSJ mache, da ihr letzter Stand war, dass ich die Fachoberschule besuche.... und so erzählte ich ihr alles in kurzen Sätzen. Sie hat es natürlich nicht gefreut, aber hofft immer noch das es irgendwann alles gut wird.

Sie wiederzusehen erinnerte mich an all die Zeit die ich so sehr vermisste. Die Zeit mit ihr als Klassenlehrerin. Die Zeit als es mir so schlecht ging und sie immer wieder versuchte mir zu helfen. Die Zeit, die nach den Suizidversuchen war und vorallem die Zeit, in der es mir in der WG nicht so gut ging.
Sie ist so ein wundervoller Mensch. Wenn ihr sie kennen würdet, würdet ihr sie lieben. Das bin ich mir sicher.

24. Februar 2014

405.

Ich fühle mich unwohl und wohl zugleich. Ich frage mich, wie es soweit kommen konnte und merke dabei, dass ich alleine dafür verantwortlich bin und immer sein werde. Ich weiß, dass es lange, sehr lange dauern wird, bis ich wieder an dem Punkt angekommen bin, sodass ich sagen kann, dass alles beim Alten ist. Aber wird es das jemals werden? Wird alles irgendwann beim Alten sein?

Sie hat mir alles erzählt. Sie meinte es wahrscheinlich gut, aber sie hat wieder einmal etwas in mir ausgelöst. Sie hat dafür gesorgt, dass die Gedanken über den Tod und wie es ist, wenn ich endlich von dieser Welt bin, wieder an die Oberfläche kommen.

Sagt man nicht, dass die Menschen die am meisten lachen, die Traurigsten sind und innerlich am weinen sind? Genauso fühle ich mich. Ich zeige den Menschen in meiner Umwelt, dass alles in Ordnung ist, aber die Sachen, die innerlich bei mir abgehen sind ganz und gar nicht gut.
In der nächsten Woche habe ich Urlaub und damit extra Krisentermine beim Psychiatrischen Dienst bekommen. Ich möchte sie schwänzen und mich eine komplette woche nur verkriechen. Keinen sehen, keinen sprechen, keinem Rechenschaft ablegen.

In diesem Sinne, happy birthday to me.

13. Februar 2014

404. ''Fuck, ich weiß nicht mehr weiter, kann mich jemand erlösen?''

Ich fühle mich schrecklich. Nicht nur: ''Oh, heute ist es mal wieder nicht so gut.'' Sondern: ''Fuck, ich weiß nicht mehr was ich machen soll, kann mich nicht jemand erlösen?'' Jeden Tag kommen neue Probleme auf die vorhandenen oben drauf. Der Stapel wird immer größer, genauso wie der daraus entstehende Selbsthass. Die Hoffnung, dass er kleiner wird schwindet. Alleine bekomme ich das nicht hin – ich brauche dringend Hilfe.

Ich habe Probleme im FSJ, die Leitung rief heute an und sagte mir, dass wir unbedingt reden müssen. Es würde so nicht weitergehen. Seit Anfang Januar bin ich schon mehr als zwei Wochen krank geschrieben gewesen. Sie hat den Anschein, dass ich es nicht mehr so ernst nehme. Als ich vor ein paar Tagen gerade in den Fahrstuhl bei uns gehen wollte, sagte eine Kollegin zur anderen: ''Sabine hat sich richtig verändert, sie ist keine Streberin mehr.'' Das ganze FSJ überfordert mich nur noch. Einerseits liebe ich die Arbeit, aber ich habe im Moment nur noch Spätdienst und da das Haus voll ist, habe ich dich größte Etage (14 Bewohner) und muss sie komplett alleine machen. Ich würde es ja schaffen, wäre ich bloß nicht wieder krank...

In den letzten Wochen habe ich nicht mehr so oft daran gedacht, mich in der nächsten Zeit umzubringen. Aber jetzt finde ich wieder Gefallen daran, schlimmer als meine jetzige Situation kann es nicht mehr werden...:

1. Eigentlich habe ich mit der Leitung eine Abmachung, dass ich ab August als Schülerin dort anfangen kann. Sie sagte zu - das war im Dezember. Anfang Januar bekam ich die Zusage von der Schule, dass ich einen Schulplatz habe. Das sagte ich der Leitung und bis heute habe ich keinen Vertrag bekommen.2.Vorgestern bekam ich die Nachricht, dass ich zu meinem Wunschseminar mitfahren kann. Freuen kann ich mich da auch nicht wirklich. Eine Freundin aus Wunstorf wollte ebenfalls dort mit hin, aber wurde jetzt für ein anderes eingeteilt. Also werde ich dann eine Woche lang mit irgendwelchen Leuten die Zeit in einem Kloster in Südfrankreich verbringen. 3. Dann weiß ich immer noch nicht, was ich wegen H. und U. machen soll. Mein Herz schreit, dass ich sie nicht gehen lassen darf. Der Verstand schreit dagegen hat und möchte, dass die beiden gehen. Ich habe keine Ahnung, was ich dem Jugendamt im nächsten HPG sagen soll. Ja oder Nein zur Hilfe?
4.Dann das ewige Thema, mit meiner finanziellen Situation. Es kommen immer mehr Rechnungen, die beglichen werden wollen. Sofort und ohne Widersprüche. Bloß kann ich mit dem Minigehalt, dem Kindergeld und der Halbwaisenrente nicht alles bezahlen. Dann muss ich irgendwie noch den Führerschein machen (der auch bezahlt werden will) und das bis Anfang April. Sind ja nur noch alle Sonderfahrten und noch etliche Fahrstunden die ich machen muss.

Und dann ist da noch der Tag, den ich jedes Mal aufs Neue hasse. Heute ist der 13. Februar und das heißt mal wieder, dass ich bald Geburtstag habe. Etliche fragen mich, was sie mir schenken sollen und ob ich mit Ihnen zusammen feiern möchte. Andere setzen es auch fest, dass ich mit Ihnen Feiern muss. Wenn ich es nicht freiwillig machen möchte, wird eine Geburtstagsfeier eben zur Regel, die man nicht brechen darf. Ich versuche jedem klar zu machen, dass ich nicht feiern möchte. Geburtstag zu haben mag für andere eine tolle Sache zu sein – für mich nicht. Es ist nur ein weiterer Tag, an dem ich mich hasse und verfluche, dass ich jemals auf die Welt gekommen bin. Meine Mutter wollte mich nie, wie sie früher immer so schön sagte: ''Warum habe ich nur Kinder bekommen?'' Ich habe eine tolle Familie, oder? Ich hätte nie jemandem sagen sollen, wann ich Geburtstag habe. So könnte ich den kommenden nach Jahren vielleicht mal in Ruhe verbringen.


Zu guter Letzt: Heute hatte ich nach Wochen mal wieder einen Termin bei meinem Psychiater. Er sah mich an, und sprach davon, dass ich nicht mehr so niedergeschlagen wirke. Ich erzählte ihm dass die Tabletten wirken und der Drang mir selbst weh zu tun, weniger wird. Die Menge, die ich von mir aus bereits erhöht hatte, hat er von sich aus nun offiziel erhöht. Er machte mich dann bloß noch darauf aufmerksam, dass diese Dosis die höchste zulässige wäre und wir danach, wenn es gar nicht mehr geht, wieder auf ein anderes Medikament wechseln müssten. Eine interessante Frage stellt sich jetzt bloß bei mir: ''Was passiert eigentlich bei 450mg Elontril?''

12. Februar 2014

403.

Seit dem 2.1 habe ich mich nicht mehr verletzt. Dies wäre doch mal ein Grund wieder anfangen, wie man sieht bin ich wirklich für alles zu dumm:

11. Februar 2014

2. Februar 2014

401.

Wie oft saß ich in den letzten Tagen hier vor diesem Bildschirm und habe versucht etwas auf der Tastatur zu schreiben ?! Zu viele Male habe ich versucht den schlechten Gedanken einen Weg ins Äußere zu ebnen, aber immer wurde dieser Weg mir verwehrt.

Ich mache mir Gedanken über die Betreuung durch H. und U. In und nach dem Hilfeplangespräch war ich mir sicher, dass ich die beiden 'abgeben' werde. Inzwischen bin ich mir nicht mehr so sicher. Ich möchte die beiden nicht hergeben, aber ich kann auch nicht mit Ihnen leben. Oft genug habe ich gemerkt, dass es mir immer schlechter geht, weil die Betreuung, die da ist, mir nicht einmal annähernd ausreicht.
Letzte Woche wurde ich gefragt, was die ganze Betreuung mir bisher gebracht hat. Ich konnte nur eine Antwort geben und die war: seit 5 Jahren habe ich keinen erneuten Versuch unternommen.
In den letzten Monaten und Jahren hatte ich zwar immer wieder das Verlangen nicht mehr auf dieser Welt zu sein, aber dann habe ich jedes Mal gemerkt, dass ich es meinem Betreuer (den ich zu dieser Zeit gerade hatte) nicht antun kann.
Kurz nach meinem 15. Geburtstag, ich habe gerade mal 4 Tage in der Wohngruppe gewohnt, konnte ich sehen wie schwer es selbst für Betreuer ist, eines seiner Bezugskinder zu überleben. Damals starb einer meiner Mitbewohner an einem Autounfall. Komisch ist, dass ich mich an diesen Tag noch genau erinnern. Die Nachricht von N. Tod bekamen wir von meinem damaligem Bezugsbetreuer P.
Die Frage, die ich mir immer wieder stelle ist, schaffe ich es ohne eine Betreuung? Schaffe ich es,  nachmeinem FSJ die Ausbildung im Heim anzufangen und die auch durchzustehen, oder werde ich schon einige Wochen später wieder in einer Klinik sein? Grund: Suizidversuch.

Ich merke allmählich, wie ich immer weiter versinke. Durch die immer wechselnden Dienste habe ich meinen Psychiater vor ein paar Wochen das letzte Mal gesehen. Ein neuen Termin bei ihm zu bekommen
ist die größte Kunst. So habe ich inzwischen auch meine Tabletten selbst höher dosiert. 150mg mehr Elotril ist auch kein Weltuntergang mehr. Und auch die Termin bei Frau Z. werden immer weniger. Letzte Woche sah ich sie nach vielen Wochen wieder. Diese Frau ist wirklich nett, hört mir auch zu und versteht mich halbwegs. Aber ich werde den Gedanken nicht los, dass ich ihr nicht mehr trauen kann. Es ist zu viel passiert in den letzten Jahren. Ich bin immer wieder von Betreuern, Ärzten und Therapeuten verarscht worden. In den vielen Stunden in denen ich mit all denen zusammen saß, hatte ich das Gefühl, dass alles gut sei. Wochen später erfuhr ich, dass es nicht so ist. Sie konnten mich alle nicht leiden und wollte mich auch nicht bei sich haben. Ich mag schon gar nicht mehr aufzählen bei wie vielen Therapeuten und Psychiatern ich rausgeworfen wurde, wie viele Betreuer ich vergrault habe. Mein jetziger Psychiater und vorallem aber meine letzten Betreuer sind ein gutes Beispiel dafür.

Was ist mit dem ganzen Geschreibe eigentlich sagen möchte: es sind so viele Menschen um mich, die mir helfen wollen. Sie strecken alle ihre Hände zu mir und ich will sie greifen. Aber ich kann nicht mehr. Die Zeit wo ich die ganzen Hände gebraucht hätte, ist vorbei. Wir haben 2014 und nicht mehr 2012.