16. November 2014

493. Denn wenn du gehst, nimmst du alle Farben mit.

In den letzten 2 1/2 Wochen sind Dinge passiert, die ich nur schwer in Sätze formulieren kann. Es ist immer sehr schwierig von Dingen zu berichten, die bereits einige Tage her sind. 
Meine Stimmung fährt im Moment Achterbahn. Es geht mir tagelang gut und dann wieder wochenweise schlecht. Es hat alles damit angefangen, dass ich bei facebook ein Profil einer ehemaligen Mitschülerin aus meiner Geburtsstadt gefunden habe. Ich las mir ihr Profil durch und sah, dass sie inzwischen ihr Abitur geschaffen hat und jetzt auf eine Uni geht. Nachdem ich das las, schaute ich mir ihre Freundesliste durch und sah weitere Mitschüler von damals. Jeder einzelne von ihnen hat es geschafft auf eine Uni zu gehen oder verbringt gerade ein Jahr im Ausland. Sie haben das geschafft, wovon ich seit Jahren träume. Alle samt haben mich schikaniert, ausgerenzt und psychisch so sehr unter Druck gesetzt, dass heute so kaputt bin. 
So blieb es natürlich nicht aus, dass ich Druck bekam und wütend wurde. Da ich mich jedoch seit Anfang August nicht mehr verletzt habe, blieb mir nur eine Möglichkeit: eine Überdosis. 
Da ich mich nur 'verletzen' wollte, blieb es bei einer kleinen Überdosis. Auf jeden fall reichte es für einen kompletten Sonntag mit starken Schmerzen im Bett. Ein Sonntag, wo ich eigentlich nur an meinen Vater denken wollte, denn immerhin war es doch sein Geburtstag. Ich wollte an ihn denken und nicht durch so eine Aktion diesen Tag komplett vergessen.
Psychisch am Boden wachte ich am Montagmorgen auf und versuchte die Hoffnung aufwecken zu lassen, dass ich den Tag ohne einen Zwischenfall packe. Aber der Jahrestag meines zweiten Suizidversuches war nervenaufreibend. Bis zum Mittag war alles ok, bis dann meine Chefin anrief und fragte, wo ich denn sei. Ich wusste nicht wirklich was sie meinte, denn eigentlich hatte ich doch frei. Aber ihrem Anschein nach, war dies nicht so. Sie hätte bereits vor zwei Wochen einen Dienst für diesen Tag einen Dienst eingetragen. So fest von dieser Aussage überzeugt, ließ sie mir keine Wahl und somit musste ich, mit Protest, zum Heim fahren. Ich diskutierte lange mit ihr, da ich am Abend meinen Nebenjob anfangen sollte. Nach zwei stressigen Stunden auf der Etage im Heim durfte ich gehen und fing meinen Nebenjob an. Dieser Nebenjob bereitet mir wirklich Freude. 
Am Mittwochabend ging es mir wieder schlechter, sodass ich Angst hatte, wieder eine Überdosis zu nehmen oder gar meine drei Monate ohne das Schneiden aufzugeben. Ich entschied mich zu eine eMail an den Psychiatrischen Dienst zu schreiben. Gegen ein Uhr nachts war ich fertig und hoffte, auf eine schnelle Antwort. 
Die bekam ich am Donnerstagmorgen, mitten in der Schulzeit. Nachdem ich meinem Lehrer kurz die Situation erklärt hatte, durfte ich ohne Wiederworte gehen. 
Die anderthalb Stunden bei Frau Z. halfen ein wenig, mehr nicht. Aber sie schrieb mich erst einmal krank, sodass ich nicht zur Arbeit ins Heim gehen musste. Als ich meiner Chefin das mitteilte, konnte ich merken, was sie am liebsten dazu gesagt hätte. Doch ihre Frage war nur, was los sei und ein anschließendes 'ok'. Am Abend traf ich mich noch mit G. und wir redeten lange über die Arbeit. Und so erzählte ich ihr auch, dass ich dabei bin mir eine andere Praktikumsstelle zu suchen. Oder würdet ihr euch immer wieder entschuldigen wollen, wenn ihr einfach krank seit und nicht kommen könnt? Nein? Ich auch nicht. 
Vor zwei Tagen hatte ich dann noch einen Termin bei meinem Psychiater. Nachdem ich den Termin davor einfach abgesagt hatte, ließ er diesesmal keine Wiederworte zu. So saß ich also in seinem Büo, erzählte, dass es mir nicht gut geht. Er ging nicht wirklich darauf ein, aber lobte mich dafür, dass ich mich solange nicht selbstverletzt habe. Aber zu der Bitte, etwas an der Medikamentation zu ändern, sagte er nur, dass er es so lieber belassen möchte. Es waren die gleichen Worte wie vor 5 Monaten. 
Wie kam ich nur auf die Idee, dass er sich jetzt dazu durchringen könnte?


14. November 2014