Ich fühle mich schrecklich. Nicht nur:
''Oh, heute ist es mal wieder nicht so gut.'' Sondern: ''Fuck, ich
weiß nicht mehr was ich machen soll, kann mich nicht jemand
erlösen?'' Jeden Tag kommen neue Probleme auf die vorhandenen oben
drauf. Der Stapel wird immer größer, genauso wie der daraus
entstehende Selbsthass. Die Hoffnung, dass er kleiner wird schwindet.
Alleine bekomme ich das nicht hin – ich brauche dringend Hilfe.
Ich habe Probleme im FSJ, die Leitung
rief heute an und sagte mir, dass wir unbedingt reden müssen. Es
würde so nicht weitergehen. Seit Anfang Januar bin ich schon mehr
als zwei Wochen krank geschrieben gewesen. Sie hat den Anschein, dass
ich es nicht mehr so ernst nehme. Als ich vor ein paar Tagen gerade
in den Fahrstuhl bei uns gehen wollte, sagte eine Kollegin zur
anderen: ''Sabine hat sich richtig verändert, sie ist keine
Streberin mehr.'' Das ganze FSJ überfordert mich nur noch.
Einerseits liebe ich die Arbeit, aber ich habe im Moment nur noch
Spätdienst und da das Haus voll ist, habe ich dich größte Etage
(14 Bewohner) und muss sie komplett alleine machen. Ich würde es ja
schaffen, wäre ich bloß nicht wieder krank...
In den letzten Wochen habe ich nicht
mehr so oft daran gedacht, mich in der nächsten Zeit umzubringen.
Aber jetzt finde ich wieder Gefallen daran, schlimmer als meine
jetzige Situation kann es nicht mehr werden...:
1. Eigentlich habe ich mit der Leitung
eine Abmachung, dass ich ab August als Schülerin dort anfangen kann.
Sie sagte zu - das war im Dezember. Anfang Januar bekam ich die
Zusage von der Schule, dass ich einen Schulplatz habe. Das sagte ich
der Leitung und bis heute habe ich keinen Vertrag
bekommen.2.Vorgestern bekam ich die Nachricht, dass ich zu meinem
Wunschseminar mitfahren kann. Freuen kann ich mich da auch nicht
wirklich. Eine Freundin aus Wunstorf wollte ebenfalls dort mit hin,
aber wurde jetzt für ein anderes eingeteilt. Also werde ich dann
eine Woche lang mit irgendwelchen Leuten die Zeit in einem Kloster in
Südfrankreich verbringen. 3. Dann weiß ich immer noch nicht, was
ich wegen H. und U. machen soll. Mein Herz schreit, dass ich sie
nicht gehen lassen darf. Der Verstand schreit dagegen hat und möchte,
dass die beiden gehen. Ich habe keine Ahnung, was ich dem Jugendamt
im nächsten HPG sagen soll. Ja oder Nein zur Hilfe?
4.Dann das ewige Thema, mit meiner
finanziellen Situation. Es kommen immer mehr Rechnungen, die
beglichen werden wollen. Sofort und ohne Widersprüche. Bloß kann
ich mit dem Minigehalt, dem Kindergeld und der Halbwaisenrente nicht
alles bezahlen. Dann muss ich irgendwie noch den Führerschein machen
(der auch bezahlt werden will) und das bis Anfang April. Sind ja nur
noch alle Sonderfahrten und noch etliche Fahrstunden die ich machen
muss.
Und dann ist da noch der Tag, den ich
jedes Mal aufs Neue hasse. Heute ist der 13. Februar und das heißt
mal wieder, dass ich bald Geburtstag habe. Etliche fragen mich, was
sie mir schenken sollen und ob ich mit Ihnen zusammen feiern möchte.
Andere setzen es auch fest, dass ich mit Ihnen Feiern muss. Wenn ich
es nicht freiwillig machen möchte, wird eine Geburtstagsfeier eben
zur Regel, die man nicht brechen darf. Ich versuche jedem klar zu
machen, dass ich nicht feiern möchte. Geburtstag zu haben mag für
andere eine tolle Sache zu sein – für mich nicht. Es ist nur ein
weiterer Tag, an dem ich mich hasse und verfluche, dass ich jemals
auf die Welt gekommen bin. Meine Mutter wollte mich nie, wie sie
früher immer so schön sagte: ''Warum habe ich nur Kinder
bekommen?'' Ich habe eine tolle Familie, oder? Ich hätte nie
jemandem sagen sollen, wann ich Geburtstag habe. So könnte ich den
kommenden nach Jahren vielleicht mal in Ruhe verbringen.
Zu guter Letzt: Heute hatte ich nach
Wochen mal wieder einen Termin bei meinem Psychiater. Er sah mich an,
und sprach davon, dass ich nicht mehr so niedergeschlagen wirke. Ich
erzählte ihm dass die Tabletten wirken und der Drang mir selbst weh
zu tun, weniger wird. Die Menge, die ich von mir aus bereits erhöht
hatte, hat er von sich aus nun offiziel erhöht. Er machte mich dann
bloß noch darauf aufmerksam, dass diese Dosis die höchste zulässige
wäre und wir danach, wenn es gar nicht mehr geht, wieder auf ein
anderes Medikament wechseln müssten. Eine interessante Frage stellt
sich jetzt bloß bei mir: ''Was passiert eigentlich bei 450mg
Elontril?''
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